Kriminalistik Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis
Bereits seit über 75 Jahren erscheint KRIMINALISTIK als unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt regelmäßig Themen u.a. aus den Bereichen Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Kriminalprävention, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Inklusive Online-Archiv der Kriminalistik seit 1999.
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Beschreibung
Die Kriminalistik liefert in 11 Ausgaben pro Jahr fundierte Informationen und Beiträge kompetenter Fachleute zu aktuellen Themen aus den Bereichen Kriminalpolitik, Kriminalistik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Kriminalprävention, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung und Rechtsmedizin. Rubriken wie Recht Aktuell, Kriminalistik Schweiz, Kriminalistik-Campus sowie Literatur runden den Inhalt ab.
Umfassende Informationen zur aktuellen Ausgabe und Online-Archiv mit Zugriff für Abonnenten auf die Inhalte aller Kriminalistik-Ausgaben seit 1999 auf www.kriminalistik.de.
Erscheinungsweise:
11 x jährlich
Aktuelles Heft
Heft 7/2026
Editorial
Faßbender, Joachim / Martin, Sigmund P., Editorial, Krimi 2026, 385
Beiträge
Soujon, Uwe Stephan, Die Verschärfung des Jugendstrafrechts – Aspekte einer möglichen Reform, Krimi 2026, 386-392
Der nachfolgende Aufsatz geht zum einen der Frage nach, ob eine Veränderung der Rechtslage im Sinne einer Verschärfung des Jugendstrafrechts angezeigt ist. Zum anderen befasst er sich mit den hierfür notwendigen Reformen im Strafgesetzbuch und im Jugendgerichtsgesetz. Auch wird der Frage nachgegangen, was mit dem allgemeinen Begriff der “Verschärfung“ überhaupt gemeint ist.
Bonensteffen, Florian / Lapp, Matthias, Literaturreview zu Mehrfach- und Intensivtäterschaft bei Jugendlichen, Krimi 2026, 392-397
Die Literaturübersicht untersucht den aktuellen Forschungsstand zu Mehrfach- und Intensivtäterschaft im Kindes- und Jugendalter. Grundlage sind 14 Metaanalysen und Reviews mit insgesamt 380 Einzelstudien. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Risikofaktoren – etwa frühere Straffälligkeit oder Substanzmissbrauch – eng mit persistierender Delinquenz verbunden sind. Gleichzeitig weisen Studien darauf hin, dass rehabilitative und kognitiv-verhaltenstherapeutische Programme wirksamer zur Rückfallreduktion beitragen als rein strafende Maßnahmen.
Marquardt, Annette, Tötung der Lebensgefährtin wegen deren Trennungsabsichten, Krimi 2026, 397-401
Nachdem A über Monate immer wieder als Anzeigeerstatter (Behauptung: Ärzte hätten ihn vergiftet und nicht richtig behandelt) und als Beschuldigter (Bedrohungen zum Nachteil seiner Lebensgefährtin und von Nachbarn) in Erscheinung trat, ersticht er seine Lebensgefährtin vor den Augen der Kinder und des Bruders der Geschädigten. Zunächst bleibt unklar, ob A psychisch krank war und möglicherweise zur Tatzeit unter einem Vergiftungswahn stand (wie zunächst angenommen). Seine Motivlage bringt er schließlich in Briefen, die er aus der Haft heraus schieb, deutlich zum Ausdruck: Hass auf die Lebensgefährtin.
Roiger, Sonja / Schedel-Stupperich, Alexandra, Risikoprognostik bei Menschen mit Störung der Intelligenzentwicklung im Kontext aktueller Reformen des PsychKG, Krimi 2026, 402-405
Vor dem Hintergrund der Verschärfung der Psychisch-Kranken-Gesetze (PsychKG) in mehreren Bundesländern und einer kriminalpolitisch wachsenden Bedeutung der Früherkennung potentiell gefährlicher Personen war das Ziel der vorliegenden Studie, relevante Risiko- und Schutzfaktoren für kriminelles Handeln bei Menschen mit Störung der Intelligenzentwicklung (SI) zu identifizieren und ihre Relevanz für polizeiliche Einsatzlagen zu evaluieren.
Anonym, , Aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste – Teil 3, Krimi 2026, 406-417
Der vorliegende Text beleuchtet aktive Maßnahmen in Deutschland und Europa unter Berücksichtigung der im zweiten, quantitativen Teil analysierten Schwerpunkte. Im Vordergrund stehen in diesem Teil der Auswertung virtuelle und realweltliche Einflusskampagnen, die plausibel attribuiert, medial bzw. behördlich aufgearbeitet und in ihren Zielsetzungen sowie Wirkmechanismen hinreichend nachvollziehbar sind. Dies macht es möglich, die Logik und Mechanik der russischen bzw. aus Russland gesteuerten Operationen auf der Ebene konkreter Vorgehensweisen aufzuarbeiten.
Dietsch, Sina, Frauen im Extremismus, Krimi 2026, 418-421
Frauen werden im Kontext extremistischer Bewegungen noch immer häufig unterschätzt, verharmlost oder auf unterstützende Rollen reduziert. Der vorliegende Aufsatz zeigt jedoch, dass sie im Rechts-, Links- und islamistischen Extremismus eigenständige, teils stabilisierende und mitunter handlungsprägende Funktionen übernehmen. Auf Grundlage einer qualitativ-komparativen Analyse der Fälle Beate Zschäpe, Lina E. und Jennifer W. wird herausgearbeitet, dass Geschlecht in allen drei Phänomenbereichen nicht nur eine soziale Kategorie, sondern ein ideologisches Strukturprinzip darstellt.
Adiarte, Sandra, Forensische Ganganalyse in der kriminalistischen Praxis, Krimi 2026, 422-425
Videomaterial spielt eine zentrale Rolle in der modernen Kriminalistik und weckt hohe Erwartungen an die Identifizierbarkeit tatverdächtiger Personen. In der Praxis sind Videoaufnahmen jedoch häufig von geringer Qualität, aus ungünstigen Perspektiven oder nur mit kurzen Sichtkontakten aufgenommen, so dass klassische Identifikationsmerkmale wie Gesichtszüge oft nicht nutzbar sind. Vor diesem Hintergrund ist der menschliche Gang als potentielles Vergleichsmerkmal stärker in den Fokus gerückt. Die forensische Ganganalyse untersucht Bewegungsmuster des Gehens, um Hinweise auf die Identität einer Person zu gewinnen.
Recht aktuell
BGH v. 9.12.2025 - 3 StR 22/25 / Vahle, Jürgen, Bildung einer kriminellen Vereinigung durch virtuellen Zusammenschluss?, Krimi 2026, 425-426
BGH v. 7.1.2026 - StB 68/25 – NfD / Vahle, Jürgen, Sicherstellung und Durchsicht von IT-Geräten, Krimi 2026, 426-427
BGH v. 14.1.2026 - 2 StR 277/25 / Vahle, Jürgen, Mordvorwurf wegen Vertuschung eines ärztlichen Behandlungsfehlers, Krimi 2026, 427-428
OLG Hamm v. 27.1.2026 - 4 ORs 159/25 / Vahle, Jürgen, Unbefugtes Tragen einer kirchlichen Amtskleidung, Krimi 2026, 428-429
Kriminalistik – Schweiz
Birrer, Stéphane / Auderset, Daniel, Kriminalanalyse in der Schweiz, Krimi 2026, 430-437
Die Kriminalanalyse in der Schweiz stützt sich auf ein reiches institutionelles Erbe sowie auf innovative Pionierprojekte, die ihre Bedeutung für die innere Sicherheit aufgezeigt haben. Aufbauend auf diesen Grundlagen verfügen die zuständigen Fachkreise heute über massgebliche Möglichkeiten, die polizeiliche Effizienz durch einen zunehmend erkenntnis- und wissensgestützten Ansatz zu stärken. Auch wenn die schweizerische Polizeilandschaft eine mit dem Föderalismus untrennbare Vielfalt widerspiegelt, zeugt sie doch zugleich von einer hohen Anpassungsfähigkeit und ausgeprägter lokaler Innovationskraft. Spezialisierte Fachpersonen übernehmen dabei eine immer wichtigere Rolle sowohl bei der Aufklärung komplexer Ermittlungen als auch im Bereich der Prävention. Um diese Stärken auszubauen und den Herausforderungen der digitalen Transformation sowie der Entwicklung moderner Kriminalitätsformen zu begegnen, schlägt dieser Beitrag verschiedene Handlungsansätze vor. Im Zentrum stehen insbesondere die Harmonisierung von Doktrinen und Ausbildungswegen sowie eine stärkere Integration der Kriminalanalyse in die polizeilichen Entscheidungsprozesse. Durch die Förderung von Synergien und eine vorausschauende Steuerung neuer Technologien verfügen die Schweizer Polizeikorps über wesentliche Hebel zur nachhaltigen Weiterentwicklung und institutionellen Verankerung der Kriminalanalyse. Diese bildet eine zentrale Säule moderner Polizeiarbeit und basiert auf einer vertieften Kenntnis krimineller Phänomene wie auch auf einer methodisch fundierten und präzisen Verarbeitung von Ermittlungsdaten.
Kriminalistik – Campus
Baumann, David, Zivilgesellschaftliches Engagement in der Bekämpfung organisierter Kriminalität, Krimi 2026, 438-442
Die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) ist anders als etwa in Italien deutlich weniger sichtbar. Im Unterschied zu anderen Kriminalitätsphänomenen wie beispielsweise der Politisch motivierten Kriminalität oder der Jugendkriminalität ist sie darüber hinaus auch erheblich geringer ausgeprägt. Der Umgang der Zivilgesellschaft mit dieser Erscheinungsform von Kriminalität scheint eher romantisierend und spielerisch, u.a. durch die filmische Umsetzung des Themas geprägt. Dies dürfte einerseits im klandestinen Charakter der OK angelegt sein, andererseits rückt jedoch auch die unmittelbare individuelle Betroffenheit in Deutschland erst mit bestimmten Ausprägungen wie zurzeit dem sog. Enkeltrickbetrug, Schockanrufen oder Geldautomatensprengungen ins Bewusstsein der Bürger wohingegen andere wie OK in ihrer Ausprägung als Wirtschaftskriminalität als weniger relevant für den Einzelnen erscheinen mögen. Der mit der OK verbundene enorme gesamtgesellschaftliche Schaden ist zwar täglich im Kontext des Drogenkonsums im Straßenbild wahrnehmbar, jedoch bleiben die tatsächlichen Dimensionen selbst für die Sicherheitsbehörden über weite Strecken im Verborgenen, nur schwer zu beziffern und zu belegen. In diesem Kontext erscheint es nachvollziehbar, dass zivilgesellschaftliches Engagement gegen die OK in Deutschland noch wenig prominent vertreten ist. Das dieses dennoch schon seit Jahren existiert, belegt der nachfolgende Beitrag, welcher als Hausarbeit im Masterstudiengang “Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement“ an der Deutschen Hochschule der Polizei entstanden ist. (Redaktion: Joachim Faßbender)
Roos, Tobias, Strategien zur Bekämpfung der Schleusungskriminalität auf EU-Ebene, Krimi 2026, 442-447
Illegale oder ungeregelte Migration stellt nach wie vor eine der größten Herausforderungen der Europäischen Union wie auch der Bundesrepublik Deutschland dar. Mit den zu erbringenden enormen Integrationsleistungen und finanziellen Aufwänden werden sich die Gesellschaften und Staaten ihrer endlichen Belastbarkeit bewusst. Gleichzeitig sind staatlichen Reaktionen sehr enge rechtliche Grenzen gesetzt und wird ihr Handlungsspielraum damit erheblich eingeschränkt. Im Ergebnis stellt die aktuelle Migrationssituation in Teilen der Bevölkerung die Handlungsfähigkeit des Staates und damit seine Legitimität in Frage. Damit kommt der Verhinderung illegaler Einreisen sowie der Bekämpfung der Schleusungskriminalität eine sehr hohe gesellschaftspolitische Bedeutung zu. Dies kann jedoch nicht nur aufgrund des speziellen Charakters dieser Kriminalitätsform ausschließlich im Verbund der Staaten der Europäischen Union gelingen. In seiner im Masterstudiengang “Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement“ an der DHPol gefertigten Hausarbeit geht der Autor aktuellen Bekämpfungsansätzen der EU nach, stellt aktuelle Herausforderungen dar und zeigt zukünftige Entwicklungen sowie Perspektiven auf. Dabei wird deutlich, dass es sich hier vorrangig um ein auf politischer Ebene der EU zu lösendes Problemfeld handelt. (Redaktion: Joachim Faßbender)
“Europa ist nicht die Lösung für jedes Problem, aber kein Problem kann ohne Europa gelöst werden.“ (Angela Merkel)
Literatur
Soiné, Michael, Schmitt/Köhler, Strafprozessordnung mit GVG und Nebengesetzen, Krimi 2026, 448
Autoren und Redaktion
KD i.H. Joachim Faßbender, Prof. Dr. Sigmund P. Martin, LL.M. (Yale)
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