Kriminalistik Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis
Bereits seit über 75 Jahren erscheint KRIMINALISTIK als unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt regelmäßig Themen u.a. aus den Bereichen Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Kriminalprävention, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Inklusive Online-Archiv der Kriminalistik seit 1999.
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Beschreibung
Die Kriminalistik liefert in 11 Ausgaben pro Jahr fundierte Informationen und Beiträge kompetenter Fachleute zu aktuellen Themen aus den Bereichen Kriminalpolitik, Kriminalistik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Kriminalprävention, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung und Rechtsmedizin. Rubriken wie Recht Aktuell, Kriminalistik Schweiz, Kriminalistik-Campus sowie Literatur runden den Inhalt ab.
Umfassende Informationen zur aktuellen Ausgabe und Online-Archiv mit Zugriff für Abonnenten auf die Inhalte aller Kriminalistik-Ausgaben seit 1999 auf www.kriminalistik.de.
Erscheinungsweise:
11 x jährlich
Aktuelles Heft
Heft 5/2026
Editorial
Faßbender, Joachim / Martin, Sigmund P., Editorial, Krimi 2026, 257
Beiträge
Ackerschott, Frank Stephan, Prompt Engineering und ACH: Systematische Bias-Kontrolle in der Ermittlungsanalyse – Teil 1, Krimi 2026, 258-262
Large Language Models werden bei OSINT zunehmend zur Verdichtung heterogener Daten genutzt – und können dabei unbemerkt scheinbar evidenzbasierte Lagebilder formen. Der Beitrag zeigt am Leitprompt zu Person X, wie Prompt-Rahmung kognitive Verzerrungen und modellbedingte Konfabulationen koppelt und so Kohärenz mit Validität verwechselt. Als Gegenentwurf wird ein ACH-Prompting als widerspruchsorientierte Prompt-Architektur vorgestellt und durch Governance-Leitplanken (Dokumentation, Unsicherheitsmarkierung, Quellenpflicht) operationalisiert.
Berty, Rolf, Statistik im Bereich der forensischen Schriftvergleichung – Teil 2, Krimi 2026, 262-267
Die in der forensischen Schriftvergleichung seit Jahrzehnten verbreitete Transkription des Bayes-Theorems (“Ereignis A = Hypothese“, “Ereignis B = Befund“) beruht auf einem semantischen Kategorienfehler. Hypothesen sind Vermutungen über mögliche Sachverhalte, Befunde sind beobachtete Merkmale; als Ereignismengen nebeneinander gestellt werden sie disjunkt, wodurch der in der Bayes-Herleitung zentrale Verknüpfungsterm, der Durchschnitt der beiden Mengen A und B, begrifflich entleert wird. Daraus folgt, dass die so verstandene Bayes-Anwendung aus ihrem Geltungsbereich fällt. Zudem wird das in der Literatur beschriebene Grenzwertproblem als Modellierungsartefakt der Gleichverteilung über einen beliebig vergrößerbaren Hypothesenraum rekonstruiert. Abschließend wird eine alternative Modellierung gegeben, die in einem einheitlichen Ereignisraum bleibt und eine normierte Hypothesenwahrscheinlichkeit aus Befunden ableitet, ohne auf A-priori-Wahrscheinlichkeiten zurückgreifen zu müssen.
Kersting, Stefan / Bode, Felix / Erdmann, Julia, Betrugserfassung in der Polizeilichen Kriminalstatistik, Krimi 2026, 267-271
Dieser Beitrag analysiert, inwiefern die seit dem Jahr 2020 praktizierte Erfassung von Betrug in der “PKS-Ausland“ als Form statistischer Bilanzbereinigung zu verstehen ist. Untersucht wird, ob auf diese Art und Weise Dynamiken des Kriminalitätsgeschehens in Deutschland invisibel bleiben. Prima Facie suggeriert die Darstellung dieser “Auslandstaten“ in der “PKS-Ausland“ ein vollumfängliches Abbild des Kriminalitätsgeschehens im Hellfeld. Es kann gezeigt werden, dass es sich dabei allerdings mehr um eine verzerrende Scheindarstellung handelt und die “PKS-Ausland“ als Bad Bank der Polizeilichen Kriminalstatistik fungiert.
Köhler, Daniel / Jugl-Kuntzsch, Irina, Teenage Terroristen aus der Terrorgramszene, Krimi 2026, 272-276
Dieser Artikel stellt die zentralen Ergebnisse der bundesweiten Hellfeldstudie zur sog. Terrorgramszene des Landeskriminalamts Baden-Württemberg vor und ordnet diese insbesondere aus Perspektive der Sicherheitsbehörden ein. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht methodische Details oder theoretische Debatten, sondern jene Befunde, die für Gefahrenbewertung, Beobachtung, Prävention und operative Arbeit von Bedeutung sind.
Holland, Trygve Ben / Zirkel, Carina, Kokainhandel im Kontext ethnisch-albanischer krimineller Netzwerke und der Karibik CAP1 – Teil 2, Krimi 2026, 277-282
Im Rahmen des von der EU geförderten Projektes CAP1 (Caribbean-Albanian Poly-criminal Offshore Network Elicitation) aus dem Internal Security Fund (ISF) werden gegenwärtig (1/2025 bis 12/2026) unterschiedliche Methoden – oftmals IT-basierten Charakters ebenso wie ‚klassische’ Ermittlungsmaßnahmen – angewendet, um zuvörderst zwei Zielsetzungen zu verfolgen: Zum einen wird die rechtliche Fundierung transnationaler Ermittlungen im Lichte internationaler Rechtsgrundlagen und Institutionen analysiert, zum anderen werden in-rem und in-situ-Aktivitäten im karibischen wie albanischen Raum zugleich durchgeführt, um mögliche Ergänzungen und Mehrwerte einer nexusbezogenen Methodik zu identifizieren, die es zu systematisieren gilt. Dabei knüpft der vorliegende Teil 2 an den ersten Teil: “Kokainhandel im Kontext ethnisch-albanischer krimineller Netzwerke und der Karibik CAP1 – Teil 1“ an, der in Heft 3/2026, S. 146 ff. dieser Zeitschrift erschien.
Anonym, , Aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste – Teil 1, Krimi 2026, 282-291
Der erste Teil der geplanten fünfteiligen Beitragsreihe über aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste widmet sich deren funktionaler Logik und Mechanik am Beispiel verdeckter Operationen des KGB. Dabei zeigt sich in verblüffender Weise, dass Geschichte und Gegenwart mehr strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen als allgemein bekannt. Einer der Gründe für die Wiederkehr der KGB-“Handlungsskripte“ im postsowjetischen Russland lässt sich sogar durch eine aktive Maßnahme der Sowjetunion plausibilisieren und ist insgesamt im Kontext eines geopolitischen Paradigmas des “eurasischen Schachbretts“ zu betrachten.
Recht aktuell
BVerfG v. 19.9.2025 - 2 BvR 460/25 / Vahle, Jürgen, Durchsuchung in einer Gemeinschaftsunterkunft zum Zwecke der Abschiebung, Krimi 2026, 291-292
BGH v. 25.9.2025 - 4 StR 113/25 / Vahle, Jürgen, Zur Verknüpfung von Nötigung und Wegnahme beim Raub, Krimi 2026, 292-293
BGH v. 7.10.2025 - 3 StR 11/25 / Vahle, Jürgen, Zur Garantenstellung sorgeberechtigter Eltern für minderjährige Kinder, Krimi 2026, 293-294
Kriminalistik – Campus
Tull, Andreas, Sexualisierte Gewalt in Paarbeziehungen führt in die Zwangsprostitution, Krimi 2026, 295-300
In Deutschland finden sich spätestens seit dem Spätmittelalter Nachweise für Prostitution in entsprechenden Vorschriften und Ordnungen aus zahlreichen Städten. Mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 erfolgte in Deutschland die Abschaffung der generellen Sittenwidrigkeit von Prostitution (Schmitter, 2013). Eine wichtige Unterscheidung ist die Abgrenzung von Prostitution und Zwangsprostitution – wobei beide Bereiche Raum für wissenschaftliche Untersuchungen und politische Diskussionen bieten. Im folgenden Beitrag soll es ausschließlich um Zwangsprostitution gehen. Zwangsprostitution, etwa im Kontext von Menschenhandel oder extremer ökonomischer oder emotionaler Abhängigkeit, kann für Betroffene schwerwiegende körperliche, materielle und vor allem psychische Folgen haben. Außerdem kann sich Zwangsprostitution auch auf die Gesellschaft auswirken – z.B. durch die Verfestigung von geschlechterbezogenen Gewaltstrukturen und ungleichen Machtverteilungen (Europäisches Parlament, 2014). Durch das Internet und soziale Medien haben sich neue Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit sowie der Kontrolle von potentiellen Opfern ergeben. Diese Entwicklungen haben auch Einflüsse auf polizeiliche repressive und präventive Maßnahmen. Der folgende Beitrag untersucht in diesem Zusammenhang literaturgestützt das Phänomen der Loverboy-Methode. (Redaktion: Lara Textores)
Anonym, , Sterbehilfe auch bei psychisch erkrankten Personen?, Krimi 2026, 301-309
Der Aufsatz, dem eine wesentlich umfangreichere Bachelor-Thesis zugrunde liegt, beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen die Umsetzung von Sterbehilfe bei psychisch erkrankten Personen beeinflussen und welche spezifischen Herausforderungen sich daraus für die Praxis ergeben. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass eine besondere Herausforderung bei der Feststellung der sog. Freiverantwortlichkeit besteht, wodurch die Beurteilung von Sterbewünschen im besonderen Maße erschwert wird. Für die Beurteilung der Freiverantwortlichkeit wurden im BVerfG-Urteil vom 26.2.2020 Kriterien festgehalten, doch bleiben weiterhin viele Aspekte offen und ungeklärt. (Redaktion: Prof. Dr. Sigmund Martin)
Anonym, , Ransomware und Terrorismusfinanzierung – Teil 1, Krimi 2026, 310-319
Der Aufsatz, dem eine wesentlich umfangreichere Bachelor-Thesis zugrunde liegt, untersucht anhand einer Literaturrecherche die mögliche Strafbarkeit von Lösegeldzahlungen nach einem Ransomware-Angriff im Sinne der Terrorismusfinanzierung und erörtert, inwiefern islamistische terroristische Gruppierungen Ransomware-Angriffe zur Finanzierung bereits nutzen bzw. nutzen können. Im zweiten Teil (in einem Folgeheft) werden die durch einen Ransomware-Angriff im Regelfall verwirklichten Straftatbestände der §§ 202a, 202d, 253, 303a, 303b StGB dargestellt und es wird eine mögliche Strafbarkeit des Lösegeldzahlenden anhand der §§ 89c, 129, 129a StGB und des § 18 AWG erörtert. Im vorliegenden ersten Teil wird evaluiert, warum nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Ransomware-Angriffe einer islamistischen terroristischen Gruppierung bekannt sein könnten. Anschließend werden die informationstechnischen Fähigkeiten von islamistischen terroristischen Gruppierungen denen für einen Ransomware-Angriff notwendigen gegenübergestellt. (Redaktion: Prof. Dr. Sigmund Martin)
Literatur
Vahle, Jürgen, Lackner/Kühl/Heger, Strafgesetzbuch StGB, Krimi 2026, 320
Soiné, Michael, Fischer, Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen, Krimi 2026, 320
Autoren und Redaktion
KD i.H. Joachim Faßbender, Prof. Dr. Sigmund P. Martin, LL.M. (Yale)
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